Soziokulturelle Aspekte Gerade die soziokulturellen Aspekte unserer Arbeit und die direkten Auswirkungen auf die Sozialisation von Jugendlichen wollen wir hier noch einmal kurz beleuchten. Dazu ist es notwendig, auf die aktuelle gesellschaftliche Diskussion um Rassismus und rechtsextremistische Gewalt in (vor allem Ost-) Deutschland einzugehen.
Als im Sommer 2000 von den etablierten Parteien und den Medien plötzlich über Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und den Neonaziterror in Deutschland gesprochen wurde, hatten Opportunismus und Heuchelei Hochkonjunktur wie selten zuvor. Ging es oft nicht um wahre Betroffenheit über eine lange verharmloste gesellschaftliche Realität, sondern um den drohenden Imageverlust des Standortes Bundesrepublik Deutschland und um parteipolitisches Kalkül, fehlten letztendlich trotz kurzfristig bereitgestellter Millionen überzeugende Präventionsansätze.
Bei aller Komplexität des Themas sehen wir in der Arbeit unseres Vereins, insbesondere in den multikulturellen und interdisziplinären Aspekten des Fusion-Festivals, besondere Möglichkeiten der Bewußtseinsbildung im Sozialisierungsprozess von jungen Menschen. Das Erleben von Neuem und Unbekanntem in einer von Respekt und Toleranz geprägten Atmosphäre, das internationale Flair des Festivals, sowie seine klare Abgrenzung gegenüber Neonazis, sind geeignet, Widersprüche zu rechtsextremistischen Weltbildern hervorzurufen und diese zu hinterfragen. Das einmalig große Erlebnispotential des Festivals, hat darüber hinaus unbestreitbar positive Einflüsse auf das kulturelle Verständnis vieler Menschen unterschiedlichen Alters. Bereits in unserem Konzept vom April 1999 haben wir zum Thema Sozialisation von Jugendlichen im Kontext Kultur/Subkultur folgenden Absatz geschrieben: ...Vielerorts hat sich eine rechtsextremistische Szene und Subkultur entwickelt, die, solange sie nicht gewalttätig wird, von der Öffentlichkeit, der Politik und den Medien weitgehend ignoriert oder als Normalzustand akzeptiert wird. Man stört sich nicht daran, dass oft die rechtsextremistische Szene faktisch die Sozialisation der Jugend dominiert und Weltbilder mangels Alternativen verbindlich vorgibt.
Die rechte Szene vereinnahmt heute das rebellische Potential der Jugend. Eine alternative Gegenkultur existiert vielerorts nicht, oder lebt mit der alltäglichen Angst vor Anfeindungen und tätlichen Angriffen der Rechten. Rassismus und Antisemitismus sind keine jugendspezifischen Phänomene, sondern tief in dieser Gesellschaft verwurzelte, emotionalisierte Denkstrukturen. Fremdenhass und rechtsradikale Gewaltakte sind eine Folge der mangelnden persönlichen und gesellschaftspolitischen Auseinandersetzung mit diesen Strukturen.
Der Kulturkosmos will durch seine Arbeit Denkanstöße geben und Möglichkeiten zur Auseinandersetzung mit Rassismus und Antisemitismus schaffen. Durch integrative Einbindung von Jugendlichen in die kulturellen Aktivitäten sollen Toleranz und Weltoffenheit gebildet gefördert und gebildet werden. Die Sozialisation von Jugendlichen, in der, neben der Familie und Schule, die Freizeitgestaltung die wohl wichtigste Rolle spielt, ist abhängig von Vorbildern (Idolen), Idealen und dem Erlebnisspektrum in ihrem Alltag. Weltbilder werden geprägt durch Information, Wahrnehmung und Kommunikation. Hier sehen wir den wichtigsten Ansatzpunkt. In der Veränderung der Wahrnehmungsrealitäten von Jugendlichen durch Information und Auseinandersetzung liegen Chancen der Bewußtseinsförderung und - veränderung.
Das Fusion-Festival schafft Möglichkeiten für die Konfrontation mit Neuem und Unbekanntem und dem Erleben einer von Toleranz und gegenseitigem Respekt geprägten Atmosphäre. Ein Weg zum Abbau von Berührungsängsten und Vorurteilen.
Der Kulturkosmos bietet so Raum für gesellschaftliche Auseinandersetzungen über eine Zivilgesellschaft, die in der Lage ist, Fremdenfeindlichkeit und rechtsradikaler Gewalt entgegenzuwirken.